Feng Shui
War Feng Shui in Mitteleuropa lange Zeit unbekannt, avancierte es in den vergangenen Jahren zu einem unverwechselbaren Trend, der es schafft immer mehr Menschen in seinen Bann zu ziehen.
Längst ist das Feng Shui auch in Deutschland angekommen. Doch trotz seiner großen Bekanntheit wissen nur wenige, dass sich hinter dieser Lehre ein begründeter Teil der daoistischen Philosophie verbirgt. In China gilt Feng Shui als traditionelle Lehre. Dabei zielt sie auf eine Harmonisierung des Menschen mit seiner Umgebung ab. Um dieses Ziel zu erreichen, schließt das Feng Shui eine besondere Gestaltung der Lebens- und Wohnräume ein.
In China war das Feng Shui einst als Kan Yu bekannt. Diese Kurzform orientierte sich an der traditionellen Vorstellung dieser Lehre. So war es das Ziel des Feng Shui, das die "Geister der Luft und des Wassers geneigt gemacht" werden. Heute sind die Facetten des Feng Shui um einiges umfangreicher. Gemeinsam mit der Verbreitung dieser Lehre sind auch die Anwendungsgebiete gewachsen. Das wohl traditionellste Anwendungsgebiet dieser Lehre war die Planung von Grabstätten. Diese Form des Ahnenkults hat in China schon früh ein großes Interesse genossen und wurde so zum wichtigen Teil einer alten Kultur.
Erheblichen Einfluss hatte das Feng Shui aber auch die chinesische Gartenkunst. Früh entwickelte sich die Lehre zu einem entscheidenden Bestandteil der Gartenkunst Chinas und findet als solche noch heute große Aufmerksamkeit. Die einzelnen Prinzipien ermöglichen es, das Feng Shui auch in anderen Bereichen wie der Zimmereinrichtung, der Landschaftsgestaltung und der Hausarchitektur anzuwenden. Bei der Anwendung des Feng Shui erfolgen die Raum- und Baugestaltung immer nach verschiedenen Regeln. Durch diese soll sichergestellt werden, dass es verstockten Energien verwehrt bleibt, sich in Räumen festzusetzen
Ziel des Feng Shui ist es, das freie Fließen des Qi zu ermöglichen. Als Basis dieser Lehre gelten noch heute verschiedene chinesische Philosophiesysteme. Die bekanntesten Systeme sind die Yin-und-Yang-Lehre, die Acht Trigramme und die Fünf-Elemente-Lehre. Durch die wachsende Verbreitung des Feng Shui lässt sich heute zunehmend ein Verschmelzen dieser Lehre mit den westlichen Ideen der Esoterik erkennen.
Die Grundlagen des Feng Shui
Hinter der Bezeichnung Feng Shui verbirgt sich im Wesentlichen eine Abkürzung für einen Satz aus dem legendären "Buch der Riten", das von Guo Po circa 300 nach Christus verfasst wurde. Seit jeher verwenden die Chinesen die Begriffe Wind und Wasser für die Kunst. Dabei soll das Qi zum einen vor dem Wind geschützt und zum anderen von dem Wasser beeinflusst werden. Die Lehre des Qi hat sich zur Basis für die Erschließung des Feng Shui entwickelt. Im Daoismus gilt das Qi als unsichtbare Lebensenergie.
Das Qi kann nach den Lehren des Feng Shui lediglich durch den planmäßigen Eingriff in die individuelle Architektur akkumuliert werden. Nur durch diese Eingriffe ist eine individuell geführte Leitung möglich. Ein Feng Shui Berater hat im Wesentlichen die Aufgabe, das Qi und seine Bewegungen in einer Umgebung und einem Haus zu erkennen. Er soll die Bewegungen harmonisieren und sie zugleich steigern. Nach der jahrhundertealten Feng Shui Lehre führt die Ansammlung von günstigem Qi zu positiven und vielversprechenden Ergebnissen bei dem Erfolg, der Harmonie und der Gesundheit eines Menschen.
Ein weiteres, wichtiges Element des Feng Shui ist die Lehre von Yin und Yang. Mit dem Begriff Yang wird das Qi von Straßen und Bergen bezeichnet. Hingegen steht Ying für das Qi von Ruhe und Wasser. Die Lehre fördert nach alter chinesischer Kultur das Gleichgewicht, das zwischen verschiedensten Gegensätzlichkeiten besteht. Ein neuer Bereich dieser alten Lehre ist das New Age Feng Shui. In diesem wird die Yin-und-Yang-Lehre ausschließlich auf die Wohnung angewandt. Dabei werden unter den Yang-Bereichen steht aktive Orte einer Wohnung zusammengefasst. Dazu gehören allen voran Arbeits- und Wohnzimmer.
Die Yin-Bereiche gelten hingegen als Ruhebereiche. Beim Feng Shui wird jeder Raum mit Blick auf seine Funktionalität abgestimmt. Wichtig ist dabei auch die harmonische Anordnung der Räume. In der Lehre der Fünf Elemente geht man davon aus, dass die Energie nicht nur durch zwei Elemente bestimmt wird. Entscheidend sind hierbei die fünf Elemente Erde, Holz, Wasser, Metall und Feuer. Sie werden analysiert und durch das Feng Shui ausgeglichen angeordnet. In dieser Lehre wird die Erde stets als neutral angesehen. In diesem Bereich des Feng Shui ist das Wissen mit Blick auf die Wirkung von Formen, Maßen, Farben und Klängen entscheidend.
Die Facetten des klassischen Feng Shui
Durch die wachsende Verbreitung des Feng Shui entstanden über Jahrzehnte hinweg viele spezielle Richtungen. Gerade in den westlichen Ländern hat das klassische Feng Shui infolge dessen stark an Aufmerksamkeit verloren. Im klassischen Feng Shui gilt die Luan Tou als älteste Schule. In westlichen Ländern wird dieser Bereich gern als Formenschule bezeichnet. Das Luan Tou konzentriert sich auf die optimale Auswahl eines Bauplatzes. Dabei werden natürliche Landschaftsformationen als wichtiges Element berücksichtigt. Seit Jahrhunderten wird das Luan Tou sowohl für Wohnhäuser als auch für Grabstätten angewendet.
Eine der bekanntesten Formen ist die Li Qi Pai. Bei der Formelschule des Feng Shui wird mit den Himmelsrichtungen gearbeitet. Sie werden am Haus mit Hilfe des Lo Pan, einer Art Kompass, ermittelt. Anschließend werden sie auf den individuellen Hausgrundriss übertragen. Entscheidend sind bei diesem Element des klassischen Feng Shui auch die zeitlichen Einflüsse.
Die Fliegende-Sterne-Methode und die Acht-Häuser-Methode gelten noch heute als die populärsten Richtungen dieser Schule. Sie blicken beide auf eine jahrelange Tradition zurück. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Geheimnisse der Fliegende-Sterne-Methode erstmals in einem Buch zusammengefasst und im Anschluss der chinesischen Öffentlichkeit präsentiert. Schon Jahrhunderte zuvor waren sie jedoch in Gebrauch.
Feng Shui wird traditionell immer als Philosophie betrachtet. Dabei vereint sie in sich verschiedene künstlerische, administrative und wissenschaftsähnliche Elemente. Durch den universellen Ansatz wird immer der Mensch selbst in den Mittelpunkt gestellt. Beim klassischen Feng Shui wird jegliche Abstraktion des Gegenstands vermieden. Bis ins 19. Jahrhundert hinein suchte man beim Feng Shui vergebens nach konkreten Anweisungen. So waren lediglich einzelne Erfahrungsregeln bekannt, die teilweise jedoch stark voneinander abwichen. Die Erfahrungsregeln wurden individuell angewandt und weitergegeben. Zur Harmonisierung von Räumen werden im klassischen Feng Shui nur sehr wenige Hilfsmittel verwendet. Landschaftsbilder, Amulette und Kalebassen sind die bekanntesten Objekte, die Anwendung finden. Nach der kommunistischen Revolution von Mao Zedong wurde das Feng Shui in China verboten. Im Zuge des Verbots wurden viele Schriften der alten Lehre vernichtet.
